Dienstag, 1. Juni 2010

Pfingstspaziergang nach Lole






Pfingsten ist in Tanzania kein staatlicher Feiertag, deswegen ist der Pfingstmontag eigentlich auch kein freier Tag. Da ich aber am Montag eh immer meinen „Offday“ habe, habe ich mich am Pfingstmontag endlich einmal aufgemacht meine fernere Umgebung zu erkunden. Mit dem Dalla bin ich schon ein paarmal an dem Wegweiser nach Lole vorbei gefahren, und nun wollte ich mich endlich mal zu Fuß auf den Weg dorthin begeben. Lole ist die Partnergemeinde der Kieler Emmausgemeinde, und von dort hatte ich schon viel über den Bau der „Kathedrale“ gehört. Jede Gemeinde aus der ein Bischof gewählt wird, fühlt sich verpflichtet ihm zur Ehre einen entsprechend repräsentativen Kirchenbau zu errichten. So ganz vorstellen konnte ich es mir nicht, schließlich geht es nach Lole nur über eine recht steile Straße den Berg hinauf. Vorbei an kleineren Ortschaften und einer ganzen Reihe Bars, vor denen die Tanzania saßen und ihr Pombe tranken. Pombe ist ein Bananen-oder Hirsebier, was eher ungekühlt getrunken wird und kulinarisch nicht unbedingt ein Hochgenuß sein soll, dafür aber ordentlich Alkohol enthält – was man spätestens am nächsten Tag zu spüren bekommt. So vorgewarnt lehnte ich die zahlreichen Karibu-Rufe dankend ab, nicht zuletzt, weil in der tanzanischen Kirche striktes Alkoholverbot herrscht.

Weiter ging’s durch Bananenhaine und Kaffefelder den Berg hinauf, vorbei an bunten Kangas, die zum Trocknen über Büsche gehängt oder einfach auf dem Boden ausgebreitet waren. In relativ regelmäßigen Abständen kamen mir Motorräder entgegen gerollt, welche die Hanglage dazu nutzten, Benzinsparend runter zu rollen, um mich nach einer gewissen Zeit vollbeladen mit einem Fahrgast oder gelben Fässern etc. wieder zu überholen. Diese Art des Shuttles wird Piki-Piki genannt und ersetzt die sonst üblichen Dalla-Dallas. Meist grinste der hinten Sitzende breit über den Mzungu, der sich zu Fuß in der Mittagssonne den Berg hinauf mühte und winkte mir fröhlich zu. Überrascht war ich selbst darüber, wie relativ selbstverständlich ich die mir Entgegenkommenden grüßte und sogar kleinere, einfachere Dialoge führen konnte. Bei meinem letzten Markteinkauf ist mir bewusst geworden, dass die wenigstens hier „Nativspeaker“ sind, sondern das Kiswahili auch erst in der Primaryschool gelernt haben – sonst spricht man hier Kichagga, eine der zahlreichen eigenen Stammessprachen. Diese Erkenntnis läßt mich etwas ungezwungener mit der Sprache umgehen, wobei die Betonung aber ziemlich stark auf dem „etwas“ beruht.

Nach der letzten Wegbiegung erkannte ich auf einer Anhöhe schließlich die Umrisse eines Rohbaus, der ganz sicherlich kein staatliches Kaffeplantagenhaus werden sollte. Beim Näherkommen konnte ich mir schon besser die Umrisse der späteren Kirche vorstellen, auch wenn es noch einiges an Phantasie bedurfte. Mein Besuch blieb nicht lange unentdeckt, und so riefen die Kinder der angrenzenden Primaryschool, das mir schon fast etwas (s.o.) unangenehme Mzungu! Mzungu!

Nachdem mich ein großer Lory überholt hatte ging ich noch ein wenig weiter den Berg hinauf um mich dann allmählich auf den Heimweg zu machen. Um nicht wieder denselben Weg über die Hauptstraße zurück zu gehen, bog ich in einen kleinen Trampfelpfad ein. Bei einen meiner vorherigen Spaziergänge war ich überrascht, das selbst die unscheinbarsten Trampfelpfade durch die Bananenhaine letztlich wieder zurück auf eine Hauptstraße führen. Naja, dieser natürlich nicht und so fand ich mich nach einigen Metern auf einem Maisfeld wieder. Der Weg endete in einem Blätterhaufen und von oben plumpsten die Parachichis herab. Ein Bauer mit seiner Frau stand nebenan im Bananenfeld und riefen mir zu woher ich denn käme. Naja, aus Ujerumani – aus Deutschland – antwortete ich, worauf hin der Bauer auf mich zu kam. Aus dem Baum erscholl ein fröhliches „Habari?“, und bis der Bauer bei mir angekommen war, unterhielt ich mich ein wenig mit dem netten Parachichi-Pflücker. Dankenswerterweise unterbrach er für die Dauer unseres Gesprächs die Ernte, so dass ich auch ganz entspannt unter dem Baum stehen bleiben konnte.

Wohin ich denn wolle, fragte mich der Bauer und als ich antwortete, nach Mwika, war das Bild des herumirrenden Mzungus wohl wieder mal komplett. Er führte mich über seinen Hof wieder zurück auf die Hauptstraße und seine Frau stellte dabei ziemlich zielsicher fest, dass ich wohl zur Bibelschule zurück wollte und fragte ob sie mir ein Piki-Piki rufen sollte. Dabei wollte ich doch grade mal zu Fuß ein wenig die fernere Umgebung erkunden. Letztlich ging ich also denselben Weg wieder herab. Diesmal konnte ich meinen Blick aber in die Ferne schweifen lassen, wo die umliegenden Bergspitzen im blauen Dunst der Nachmittagssonne verschwammen.

Auf dem Heimweg wollte ich eigentlich ein paar Pfingstgrüße per SMS verschicken, doch anscheinend hatte sich mein Handy so sehr an die norddeutsche Ebene gewöhnt, dass die afrikanische Wärme und die alpine Höhe (immerhin ca. 1800m) ihm den Rest gegeben haben. Nun habe ich eine Woche ohne Handy und dementsprechend auch ohne Taschenlampe und ohne Uhr hinter mir. Nachdem ich heute am Freitag auf dem Markt eine echt tanzanische Casio-Uhr erstanden habe (dessen Armband aber leider keine 24h gehalten hat), kann ich also wieder wazungugemäß rechtzeitig zum Unterricht erscheinen. Meine Schüler hatten sich schon Sorgen gemacht, was denn mit ihrem Lehrer los sei. Wenn ich das nächste Mal nach Moshi komme, werde ich mir dann ein tanzanisches Handy zulegen und darauf hoffen, dass ich irgendwie wieder an meine Nummern herankomme.

Jedenfalls werde ich auf diesem Wege zwangsläufig tiefer ins Kiswahili einsteigen können, denn die tanzanischen Handys haben natürlich auch ein tanzanisches Benutzerprofil… ;-)

Kommentare:

  1. Hallo lieber Jens!
    Über Deinen netten Brief habe ich mich sehr gefreut. Vielen herzlichen Dank dafür.
    Am 8. Juni war ich bei Frank und konnte in Deinen Blog schauen.
    Frank zeigte und erklärte mir die schönen Bilder hier, sowie die Alben im vz. Ich konnte in aller Ruhe Deinen geschriebenen Text lesen.
    Oh, wie habe ich gestaunt! Da ist der Gottesdienst bei Euch sehr lebhaft und sogar lustig. Für uns unvorstellbar. In unserer Kirche werden zwar auch religiöse Tänze eingeübt, kommen aber seltens zur Anwendung.
    Ich freue mich, dass Du dort Deinen Platz gefunden hast. Pass aber gut auf Dich auf !!!
    Man hat sich schnell mal verlaufen.
    Alles Liebe, alles Gute, Gott befohlen Deine Tanta Marga

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