Seit gut einer Woche bin ich nun in Usariver und mache hier meinen Sprachkurs. Inzwischen habe ich mich an den europaeischen Lebensstil hier im Center wieder gewoehnt und auch meinen Arbeitsplatz in der Bibliothek gefunden. Ein wenig kommen dabei wieder Erinnerungen an meine Examensvorbereitung hoch, denn eigentlich machen wir hier nichts anderes als Grammatik und Vokabeln lernen, die Sprache ein wenig praktizieren und Grammatik und Vokabeln lernen.
Da kommt es mir sehr entgegen, dass es an den Abenden etwas laenger hell ist als in den Bergen. Durch die Hanglage am Kilimanjaro geht die Sonne in Mwika gut eine halbe Stunde frueher hinter dem grossen Riesen unter. Und auch tagsueber macht sich die tiefere Lage durch etwas waermere Temperaturen bemerkbar - dennoch ist es hier relativ kalt (dafuer gibt es aber derzeit kaum Muecken in den Reisfeldern).
Der Abend kuendigt sich hier in Usariver durch lautes Fluegelrauschen an, wenn die riesigen Marabus sich auf ihren Schlafplaetzen nieder lassen. Das klingt ein wenig so, wie ein Schwan im Landeanflug - nur eben wesentlich lauter. Recht elegant versuchen sie mit ihren langen Beinen Halt auf den duennen Zweigen der Akazien zu finden und balancieren mit heftigen Fluegelschlaegen ihr Gewicht aus. Haben sie ihren Platz gefunden, legen sie ihren Kopf in den Nacken und klappern laut mit dem Schnabel, wobei der riesige Kehlsack um den Hals schlottert.
Bis ich selbst zum Abendbrot gehe, finden sich gut ein Dutzend Marabus ein und wenn ich dann wieder zurueck komme, hoere ich nur noch vereinzeltes Fluegelschlagen. Am naechsten Morgen sind sie schon wieder unterwegs ihre Nester auf der anderen Seite des Centers zu bauen. Mit riesigen Aesten im Schnabel fliegen sie dann durch die Luft und ich wunder mich, wie elegant sie dabei aussehen.
Montag, 2. August 2010
...der eine mag den Kaffee kalt....
naja, oder so...
nachdem ich gestern von meinen ersten Affenkontakten in Leguruki berichtet habe, hat heute eine ganze Affenhorde sich an den frischgeroesteten Erdnuessen zur Chai-/Kaffeepause in Usariver vergriffen.
In den letzten Tagen wurden sie immer zutraulicher und tollten in den Baeumen des Danishcenters herum, wo ich derzeit meinen Sprachkurs mache. Haben sie sich am Wochenende noch mit den Orangen in den Baeumen zufrieden gegeben, enterten heute die Jungaffen in einem unbeachteten Augenblick die Chaipause und griffen einmal ordentlich bei den Erdnuessen zu.
Wiedereinmal waren wir Europaeer und Amerikaner ueberrascht, dass es eben doch Wildtiere sind die in Afrika leben und nicht nur kleine putzige Tierchen, die verspielt in den Baeumen umher tollen.
Die Angestellten bereitetem dem Spuk schliesslich ein Ende und die Affen trollten sich, munter keckernd, in ihre Orangenbaeume zurueck.
Den Kinderschlager muesste man wohl weiter umdichten...
"Die ganze Affenbande bruellt:
Wer hat die Erdnuss, wer hat die Erdnuss, wer hat die Erdnuesse geklaut!"
nachdem ich gestern von meinen ersten Affenkontakten in Leguruki berichtet habe, hat heute eine ganze Affenhorde sich an den frischgeroesteten Erdnuessen zur Chai-/Kaffeepause in Usariver vergriffen.
In den letzten Tagen wurden sie immer zutraulicher und tollten in den Baeumen des Danishcenters herum, wo ich derzeit meinen Sprachkurs mache. Haben sie sich am Wochenende noch mit den Orangen in den Baeumen zufrieden gegeben, enterten heute die Jungaffen in einem unbeachteten Augenblick die Chaipause und griffen einmal ordentlich bei den Erdnuessen zu.
Wiedereinmal waren wir Europaeer und Amerikaner ueberrascht, dass es eben doch Wildtiere sind die in Afrika leben und nicht nur kleine putzige Tierchen, die verspielt in den Baeumen umher tollen.
Die Angestellten bereitetem dem Spuk schliesslich ein Ende und die Affen trollten sich, munter keckernd, in ihre Orangenbaeume zurueck.
Den Kinderschlager muesste man wohl weiter umdichten...
"Die ganze Affenbande bruellt:
Wer hat die Erdnuss, wer hat die Erdnuss, wer hat die Erdnuesse geklaut!"
Sonntag, 1. August 2010
Die Affen rasen durch den Wald...
Zwar nicht bei mir in Mwika, doch bei einem Wochenendbesuch einer anderen Voluntaerin in Leguruki (zwischen Mount Meru und Kilimanjaro) durften wir dieses Spektakel hautnah zu spueren bekommen.
Gemeinsam mit ihrem Freund machte ich mich zu einem kleinen Nachmittagsspaziergang auf den Weg zu den Affen. Wir wussten zwar nicht genau, wo sie sich aufhalten wuerden, aber das es welche in dem Waeldchen geben sollte, das hatten wir von einigen Schuelern des VTC gehoert.
Auf dem Weg Richtung Wald gruesst uns ploetzlich eine Stimme aus dem Maisfeld und wenig spaeter erschien auch der dazugehoerig Mann. Wie es uns geht, wer wir denn seien und wohin wir wollten wurden wir nach typisch tanzanischer Art gefragt.
Ach, zu den Affen... ja, er wollte sowie so grade... und er bringt uns hin. Er wuerde sich nur noch fix was anders anziehen und dann koennten wir los. Nach einer Weilchen kam er in einem frischen Hemd und blitzblanken Schuhen wieder und wir konnten losziehen. Bald wuchs unser Tross noch um ein paar Kinder an und wir naeherten uns so gar nicht dem Wald den wir angepeilt hatten.
Schliesslich standen wir vor der Lehmhuette eines Mzees (Mzee ist ein alter Mann), der in Hockstellung Bohnen ausdrosch. Nach einem kleinem Plaeuschen kam er schliesslich mit und hinter seinem Haus gings weiter, bis wir an einem dicht begruenten Abhang standen. Hier sollten nun die Affen sein und damit wir das glaubten warf er prompt einen Stein irgendwo ins Dickicht. Daraufhin raschelte es ordentlich in den Baeumen und wir sahen tatsaechlich auch einige schwarze Schatten. Danach war's wieder still und nur vereinzelt knackte nochmal ein Ast.
Unser Guide merkte, dass wir nicht so voll befriedigt waren und zog mit uns und den Kindern ab. Schliesslich landeten wir dann doch in einem Waeldchen und dort sahen wir hoch oben in den Baumwipfeln tatsaechlich die Affenbande gemuetlich sitzen. Immer weiter fuehrte er uns in das Waeldchen, so dass wir schliesslich ganz in der Naehe der Affen waren und sie wunderbar beobachten konnte.
Er verabschiedete sich von uns, weil er im Wald nun noch Baeume suchen wollte - kleine Baeume fuer seinen Garten und wir blieben einfach noch stehen und genossen diese besondere Art der Safari.
Anscheinend waren wir fuer die Affen mindestens genauso interessant, wie sie fuer uns und so kamen sie immer naeher, blieben auf den Aesten um uns herum sitzen und schakerten mit uns. Anfangs fanden wir das auch noch ganz lustig und waren ganz angetan davon, wieviele Affen es waren. Die Kleineren hatten wir ja schon in den Baeumen tollen sehen, doch nun kamen auch die alten Herren an und Muetter mit ihren Kleinen unter dem Bauch. Etwas komisch wurde es uns zumute, als um uns herum irgendwelche Sachen aus den Baeumen ziemlich zielgerichtet neben uns zu Boden fielen und die Einschlaege immer dichter kamen. Einige, die sich wohl besonders lustig fanden, veranstalteten ein Zielpinkeln, was allerdings aufgrund des Ast-und Blaetterwerkes nicht hunderprozentig gut ankam.
Wir beschlossen ein wenig weiter zu ziehen - scheinbar hatte die Affenhorde die gleiche Idee und so zogen wir gemeinsam durch den Wald und dem Waldrand entgegen. Dort verabschiedeten wir uns ohne viele Worte - um aber direkt unserem Guide in die Arme zu laufen. Der kam mit nem ganzen Strauss kleiner Baeumchen auch grade vorbei und freute sich uns zu sehen. Wir waren etwas verdutzt und konnten uns das nicht so ganz erklaeren. Aber immerhin fuehrte er uns wieder zurueck und lud uns fuers naechste Mal zu sich nach Hause ein.
Gemeinsam mit ihrem Freund machte ich mich zu einem kleinen Nachmittagsspaziergang auf den Weg zu den Affen. Wir wussten zwar nicht genau, wo sie sich aufhalten wuerden, aber das es welche in dem Waeldchen geben sollte, das hatten wir von einigen Schuelern des VTC gehoert.
Auf dem Weg Richtung Wald gruesst uns ploetzlich eine Stimme aus dem Maisfeld und wenig spaeter erschien auch der dazugehoerig Mann. Wie es uns geht, wer wir denn seien und wohin wir wollten wurden wir nach typisch tanzanischer Art gefragt.
Ach, zu den Affen... ja, er wollte sowie so grade... und er bringt uns hin. Er wuerde sich nur noch fix was anders anziehen und dann koennten wir los. Nach einer Weilchen kam er in einem frischen Hemd und blitzblanken Schuhen wieder und wir konnten losziehen. Bald wuchs unser Tross noch um ein paar Kinder an und wir naeherten uns so gar nicht dem Wald den wir angepeilt hatten.
Schliesslich standen wir vor der Lehmhuette eines Mzees (Mzee ist ein alter Mann), der in Hockstellung Bohnen ausdrosch. Nach einem kleinem Plaeuschen kam er schliesslich mit und hinter seinem Haus gings weiter, bis wir an einem dicht begruenten Abhang standen. Hier sollten nun die Affen sein und damit wir das glaubten warf er prompt einen Stein irgendwo ins Dickicht. Daraufhin raschelte es ordentlich in den Baeumen und wir sahen tatsaechlich auch einige schwarze Schatten. Danach war's wieder still und nur vereinzelt knackte nochmal ein Ast.
Unser Guide merkte, dass wir nicht so voll befriedigt waren und zog mit uns und den Kindern ab. Schliesslich landeten wir dann doch in einem Waeldchen und dort sahen wir hoch oben in den Baumwipfeln tatsaechlich die Affenbande gemuetlich sitzen. Immer weiter fuehrte er uns in das Waeldchen, so dass wir schliesslich ganz in der Naehe der Affen waren und sie wunderbar beobachten konnte.
Er verabschiedete sich von uns, weil er im Wald nun noch Baeume suchen wollte - kleine Baeume fuer seinen Garten und wir blieben einfach noch stehen und genossen diese besondere Art der Safari.
Anscheinend waren wir fuer die Affen mindestens genauso interessant, wie sie fuer uns und so kamen sie immer naeher, blieben auf den Aesten um uns herum sitzen und schakerten mit uns. Anfangs fanden wir das auch noch ganz lustig und waren ganz angetan davon, wieviele Affen es waren. Die Kleineren hatten wir ja schon in den Baeumen tollen sehen, doch nun kamen auch die alten Herren an und Muetter mit ihren Kleinen unter dem Bauch. Etwas komisch wurde es uns zumute, als um uns herum irgendwelche Sachen aus den Baeumen ziemlich zielgerichtet neben uns zu Boden fielen und die Einschlaege immer dichter kamen. Einige, die sich wohl besonders lustig fanden, veranstalteten ein Zielpinkeln, was allerdings aufgrund des Ast-und Blaetterwerkes nicht hunderprozentig gut ankam.
Wir beschlossen ein wenig weiter zu ziehen - scheinbar hatte die Affenhorde die gleiche Idee und so zogen wir gemeinsam durch den Wald und dem Waldrand entgegen. Dort verabschiedeten wir uns ohne viele Worte - um aber direkt unserem Guide in die Arme zu laufen. Der kam mit nem ganzen Strauss kleiner Baeumchen auch grade vorbei und freute sich uns zu sehen. Wir waren etwas verdutzt und konnten uns das nicht so ganz erklaeren. Aber immerhin fuehrte er uns wieder zurueck und lud uns fuers naechste Mal zu sich nach Hause ein.
Elefanten in Mwika
Manchmal vergesse ich fast, dass ich in Afrika lebe. Doch dann gibt es immer wieder Situationen wo ich denke: stimmt, Deutschland ist glaube ich irgendwie anders...
Vor zwei Wochen herrschte in Mwika grosse Aufregung. Fuenf Elefanten hatten sich von Rombo an der kenianischen Grenze auf einen kleinen Ausflug gemacht. So lustig das nun klingen mag, die Menschen in Mwika und Umgebung waren nicht ganz so erfreut. Einerseits weil die Elefanten doch sichtbare Spuren in den Mais- und Bananenfeldern hinterlassen, andererseits weil sie auch einfach mal tierisch gefaehrlich werden koennen. Als die Elefanten auf Menschen losgingen und ein Menschen getoetet wurde, wurden zwei der Elefanten im Tal hinter der Bibelschule erschossen. Ein weiterer wurde in der Naehe vom Haus meines Musikkollegens erschossen und dort vor Ort direkt zerlegt.
Die anderen zwei Elefanten wurden nach Marangu verjagt. Marangu ist der Ausgangspunkt vieler Kilimanjaro-Exkursionen und zugleich einer der Zugaenge zum Nationalpark. Marangu ist aber auch eine Dalla-Station auf dem Richtung Moshi und so bekam ich an diesem Morgen eine ziemlich besondere Dallafahrt geboten.
Ziemlich zoegerlich und widerstrebend setzten sich die Dallafahrer in Bewegung. Keiner wusste genau, wo sich die Elefanten aufhielten und jeder hatte ziemliche Manchetten vor den Tieren. Nach jedem Halt tauschten die Neuzugestiegenen ihre Geschichte und Information ueber die Elefanten aus und liessen daran das ganze Dalla dran teilhaben. Stets klingelte eines der Handys und das meist gesprochene Wort an diesem Morgen war sicherlich "Tembo, Tembo" (Kiswaheli fuer Elefant).
http://www.habarileo.co.tz/kitaifa/?n=8731&cat=kitaifa
Vor zwei Wochen herrschte in Mwika grosse Aufregung. Fuenf Elefanten hatten sich von Rombo an der kenianischen Grenze auf einen kleinen Ausflug gemacht. So lustig das nun klingen mag, die Menschen in Mwika und Umgebung waren nicht ganz so erfreut. Einerseits weil die Elefanten doch sichtbare Spuren in den Mais- und Bananenfeldern hinterlassen, andererseits weil sie auch einfach mal tierisch gefaehrlich werden koennen. Als die Elefanten auf Menschen losgingen und ein Menschen getoetet wurde, wurden zwei der Elefanten im Tal hinter der Bibelschule erschossen. Ein weiterer wurde in der Naehe vom Haus meines Musikkollegens erschossen und dort vor Ort direkt zerlegt.
Die anderen zwei Elefanten wurden nach Marangu verjagt. Marangu ist der Ausgangspunkt vieler Kilimanjaro-Exkursionen und zugleich einer der Zugaenge zum Nationalpark. Marangu ist aber auch eine Dalla-Station auf dem Richtung Moshi und so bekam ich an diesem Morgen eine ziemlich besondere Dallafahrt geboten.
Ziemlich zoegerlich und widerstrebend setzten sich die Dallafahrer in Bewegung. Keiner wusste genau, wo sich die Elefanten aufhielten und jeder hatte ziemliche Manchetten vor den Tieren. Nach jedem Halt tauschten die Neuzugestiegenen ihre Geschichte und Information ueber die Elefanten aus und liessen daran das ganze Dalla dran teilhaben. Stets klingelte eines der Handys und das meist gesprochene Wort an diesem Morgen war sicherlich "Tembo, Tembo" (Kiswaheli fuer Elefant).
http://www.habarileo.co.tz/kitaifa/?n=8731&cat=kitaifa
Freitag, 9. Juli 2010
Weltmeisterschaft
Immer wieder wurde ich in den vergangenen Wochen gefragt, ob ich denn überhaupt die Fußballweltmeisterschaft verfolgen könne.
Ja, ganz klar! Das ist eines der großen Themen hier und in der Vorrunde lief der Fernseher nebenan im Gästehaus rund um die Uhr. So ganz klar für wen die Tanzanier waren, war dann nicht. Aber in jedem Falle freuten sie sich mit dem Gewinnern!
Gemeinsam mit den Bibelschülern Fußball zu schauen ist auf vielfältige Weise ein riesiges Vergnügen. So ist es immer eine große Gaudi und manchmal kann man den Fernseher vor lauter aufgebrachter Afrikaner nicht sehen – geschweige denn irgendetwas verstehen. Das ist aber auch nicht so der riesige Verlust, verliert sich doch der Kommentator meist in seinen Floskeln wie „it’s a good booool!“ Da ist der Soundtrack der Bibelschüler weit unterhaltsamer. Mit größter Kreativität wird der Abschuss vom Torwart unterlegt (bup-buuuüüüiiiüüüuuuuh-duff!) oder ein quietschendes „aargh“ drückt das Mitgefühl mit dem Gefoultem aus.
Aber auch spirituell ist es ein ganz neues Fußballerlebnis, wenn die Bibel z.B. beim Ghanaspiel auf den Fernseher gelegt wird. Als das nichts half, wurde sie aufgeschlagen und hochkant hingestellt. Bis sich zum Schluss unzählige Hände betend und segenspennend gen Bildschirm richteten.
Bei den Deutschlandspielen ließen es sich die Bibelschüler nicht nehmen, sich auch die Deutschlandfahne auf Wangen und Stirn zu schminken und meine mitgebrachte Deutschlandfahne wurde kurzer Hand von einem Massai an einen Besenstil gehisst und fleißigst geschwenkt. Umso mehr haben die Bibelschüler am vergangenen Mittwoch mit mir mitgelitten.
Ein Spiel schaute ich in der Familie zweier Volontärinnen Nordelbiens im Nachbarort. In deren Wohnzimmer saßen drei Wazungu mit Deutschlandfahnen und Deutschlandkronen und fachsimpelten über das laufende Spiel. Die drei amerikanischen Gäste kamen erst zur Hymne ihrer Nationalmannschaft aus ihren Zimmern und amüsierten sich etwas über die dekorierten Deutschen. Zumindest lernten sie, dass Germany eigentlich „Schland“ heißt.
Auch bei unserem Kurztripp nach Dar es Salam und Dodoma mussten wir auf das Fußballereignis nicht verzichten. Als Ghana gewonnen hat, zogen bis spät in die Nacht Jugendliche feiernd durch Dar es Salams Straßen. Selbst am nächsten Morgen zog wieder ein ganzer Pulk Jugendlicher durch eine Straße neben unserem Hotel rauf und runter. Später sollten wir auch erfahren warum: die Straße hieß „Ghana-Road“.
Nun stehen „wir“ also doch nicht im Finale – und die ganze Bibelschule trauert mit. Wo ich das Spiel am Samstag schauen werde, weiß ich noch nicht. Doch für das Finale hatten wir uns schon mal prophylaktisch beim „Public-Viewing“ in der deutschen Gemeinde in Moshi angemeldet, wo wir auch das erste Deutschlandspiel gesehen haben.
Ja, ganz klar! Das ist eines der großen Themen hier und in der Vorrunde lief der Fernseher nebenan im Gästehaus rund um die Uhr. So ganz klar für wen die Tanzanier waren, war dann nicht. Aber in jedem Falle freuten sie sich mit dem Gewinnern!
Gemeinsam mit den Bibelschülern Fußball zu schauen ist auf vielfältige Weise ein riesiges Vergnügen. So ist es immer eine große Gaudi und manchmal kann man den Fernseher vor lauter aufgebrachter Afrikaner nicht sehen – geschweige denn irgendetwas verstehen. Das ist aber auch nicht so der riesige Verlust, verliert sich doch der Kommentator meist in seinen Floskeln wie „it’s a good booool!“ Da ist der Soundtrack der Bibelschüler weit unterhaltsamer. Mit größter Kreativität wird der Abschuss vom Torwart unterlegt (bup-buuuüüüiiiüüüuuuuh-duff!) oder ein quietschendes „aargh“ drückt das Mitgefühl mit dem Gefoultem aus.
Aber auch spirituell ist es ein ganz neues Fußballerlebnis, wenn die Bibel z.B. beim Ghanaspiel auf den Fernseher gelegt wird. Als das nichts half, wurde sie aufgeschlagen und hochkant hingestellt. Bis sich zum Schluss unzählige Hände betend und segenspennend gen Bildschirm richteten.
Bei den Deutschlandspielen ließen es sich die Bibelschüler nicht nehmen, sich auch die Deutschlandfahne auf Wangen und Stirn zu schminken und meine mitgebrachte Deutschlandfahne wurde kurzer Hand von einem Massai an einen Besenstil gehisst und fleißigst geschwenkt. Umso mehr haben die Bibelschüler am vergangenen Mittwoch mit mir mitgelitten.
Ein Spiel schaute ich in der Familie zweier Volontärinnen Nordelbiens im Nachbarort. In deren Wohnzimmer saßen drei Wazungu mit Deutschlandfahnen und Deutschlandkronen und fachsimpelten über das laufende Spiel. Die drei amerikanischen Gäste kamen erst zur Hymne ihrer Nationalmannschaft aus ihren Zimmern und amüsierten sich etwas über die dekorierten Deutschen. Zumindest lernten sie, dass Germany eigentlich „Schland“ heißt.
Auch bei unserem Kurztripp nach Dar es Salam und Dodoma mussten wir auf das Fußballereignis nicht verzichten. Als Ghana gewonnen hat, zogen bis spät in die Nacht Jugendliche feiernd durch Dar es Salams Straßen. Selbst am nächsten Morgen zog wieder ein ganzer Pulk Jugendlicher durch eine Straße neben unserem Hotel rauf und runter. Später sollten wir auch erfahren warum: die Straße hieß „Ghana-Road“.
Nun stehen „wir“ also doch nicht im Finale – und die ganze Bibelschule trauert mit. Wo ich das Spiel am Samstag schauen werde, weiß ich noch nicht. Doch für das Finale hatten wir uns schon mal prophylaktisch beim „Public-Viewing“ in der deutschen Gemeinde in Moshi angemeldet, wo wir auch das erste Deutschlandspiel gesehen haben.
Da wird die Sau geschlacht…
Dass es an der Bibelschule auch echte Schweine gibt, auf die alle ziemlich stolz sind, habe ich ja schon mal berichtet. Nun am Ende des Semesters soll ihre Zahl reduziert werden, weil große Schweine auch einen großen Hunger haben und das Schweinefutter teuer geworden ist. In den Ställen steht schon der Nachwuchs bereit, so dass man im nächsten Semester wieder stolz die fetten Schweine präsentieren kann.
Am Samstagmorgen sollte in aller Frühe ein Schwein geschlachtet werden. Gemeinsam mit einem Volontär wollte ich mir diese Hausschlachtung nicht entgehen lassen. So machten wir uns um 7h morgens auf dem Weg zum Schweinestall, wo auf einem Feuer schon ein großer Kessel mit Wasser heiß gemacht wurde. Die arme Sau war noch in ihrem Stall und ahnte nichts von ihrer heutigen Hauptrolle. Jeder der ankam tätschelte ihr auf die mächtigen Schultern und kraulte ihr zwischen den großen Schlappohren.
Wir setzten uns erst einmal ans wärmende Feuer und genossen den Becher mit heißen Uji (die dt. Übersetzung schreibe ich nicht aus dem Wörterbuch ab, weil sie dem Gericht nicht gerecht wird). Uji, ist ein ziemlich süßer, dünnflüssiger Maisbrei, der grade an einem kalten Julimorgen unwahrscheinlich lecker schmeckt. Noch dazu ist es eine ziemlich gesellige Angelegenheit, wenn man zusammensitzt oder -steht, sich jeder an seinem Ujibecher wärmt und versucht auch den letzten Rest aus dem Becher zu klopfen.
Gegen 8h ging es dann los. Das Wasser war warm genug und die Bibelschüler wurden zunehmend aufgeregter. Bald wurde der Sau ein Sisalseil ins Maul gelegt und der Stall geöffnet. Neugierig schnüffelnd kam es aus seinem Bretterstall heraus und wurde mit vereinten Kräften zum Schlachtplatz, einem Gullideckel, geführt. So langsam realisierte das arme Tier, dass es wohl kein vorgezogener Sonntagsspaziergang werden sollte und es legte sich mit seinem kompletten Lebendgewicht ins Zeug den Bibelschülern das Vorhaben schwer zu machen. Letztlich brauchte es neun gestandene Männer um das Schwein in Position zu bringen und auf die Seite zu legen, ehe es denn geschlachtet werden konnte.
Ich beobachtete das Geschehen aus entspannter Zuschauerposition mit einem Massai, der sich die ganze Zeit nur schüttelte. Massais essen kein Schweinefleisch, sondern primär Ziegen und ganz selten mal Kuh. Ob wir denn in Deutschland auch Schweine hätten und sie essen würden?
Etwas ungläubig schaute er mich an, als ich ihm unseren Umgang mit Fleisch zu erklären. Dass eigentlich kaum jemand wirklich Kontakt zu den Tieren hat und Fleisch nur abgepackt im Laden kaufen würde. Wirklich bei einer Schlachtung dabei sein, würde eigentlich niemand. Die Vorstellung, dass ein Mensch über hundert Schweine halten würde, war für ihn unvorstellbar. Das wäre doch viel zu teuer und wo sollten die denn überhaupt untergebracht sein? Dass in meiner Nachbarschaft in Angeln mehrere 1000 Schweine gehalten werden, habe ich ihm lieber erst gar nicht versucht zu erzählen. Ich glaube er hätte mich für verrückt gehalten.
Nachdem das Fleisch von einem Lehrer, der früher als Veterinär gearbeitet hatte, untersucht wurde, die Leber und Nieren inspiziert waren und das Tier für gesund gehalten wurde, wurde es mit einer Machete in vier Teile zerlegt und gewogen. Dabei beschwerte sich der Lehrer, dass der Kopf doch recht großzügig abgeschnitten wurde und dabei viel Fett verloren gegangen sei. Der Kopf, sowie die Füße, Schwanz und Innereien bekamen die Schlächter als Lohn. Das nun verbliebene Schwein brachte immerhin noch stolz 140kg auf die Waage.
Während des ganzen Prozedere nahm einer der Schüler die Fleischbestellungen entgegen. Relativ spät entschieden wir uns schließlich doch etwas zu kaufen und ließen uns auf die Liste setzen. Als das der Lehrer mitbekam ließ er es sich nicht nehmen uns als aller erstes das noch warme Fleisch abzuwiegen. So bekamen wir noch vor dem Principal und den ganzen anderen Lehrern und Pastoren unser Fleisch abgewogen. Etwas unangenehm war mir das schon, aber so kamen wir in den Genuss eines Kilogramms reinsten Muskelfleisches mit nur ganz wenig Fett und keinen Knochensplittern zu bekommen.
Am Samstagmorgen sollte in aller Frühe ein Schwein geschlachtet werden. Gemeinsam mit einem Volontär wollte ich mir diese Hausschlachtung nicht entgehen lassen. So machten wir uns um 7h morgens auf dem Weg zum Schweinestall, wo auf einem Feuer schon ein großer Kessel mit Wasser heiß gemacht wurde. Die arme Sau war noch in ihrem Stall und ahnte nichts von ihrer heutigen Hauptrolle. Jeder der ankam tätschelte ihr auf die mächtigen Schultern und kraulte ihr zwischen den großen Schlappohren.
Wir setzten uns erst einmal ans wärmende Feuer und genossen den Becher mit heißen Uji (die dt. Übersetzung schreibe ich nicht aus dem Wörterbuch ab, weil sie dem Gericht nicht gerecht wird). Uji, ist ein ziemlich süßer, dünnflüssiger Maisbrei, der grade an einem kalten Julimorgen unwahrscheinlich lecker schmeckt. Noch dazu ist es eine ziemlich gesellige Angelegenheit, wenn man zusammensitzt oder -steht, sich jeder an seinem Ujibecher wärmt und versucht auch den letzten Rest aus dem Becher zu klopfen.
Gegen 8h ging es dann los. Das Wasser war warm genug und die Bibelschüler wurden zunehmend aufgeregter. Bald wurde der Sau ein Sisalseil ins Maul gelegt und der Stall geöffnet. Neugierig schnüffelnd kam es aus seinem Bretterstall heraus und wurde mit vereinten Kräften zum Schlachtplatz, einem Gullideckel, geführt. So langsam realisierte das arme Tier, dass es wohl kein vorgezogener Sonntagsspaziergang werden sollte und es legte sich mit seinem kompletten Lebendgewicht ins Zeug den Bibelschülern das Vorhaben schwer zu machen. Letztlich brauchte es neun gestandene Männer um das Schwein in Position zu bringen und auf die Seite zu legen, ehe es denn geschlachtet werden konnte.
Ich beobachtete das Geschehen aus entspannter Zuschauerposition mit einem Massai, der sich die ganze Zeit nur schüttelte. Massais essen kein Schweinefleisch, sondern primär Ziegen und ganz selten mal Kuh. Ob wir denn in Deutschland auch Schweine hätten und sie essen würden?
Etwas ungläubig schaute er mich an, als ich ihm unseren Umgang mit Fleisch zu erklären. Dass eigentlich kaum jemand wirklich Kontakt zu den Tieren hat und Fleisch nur abgepackt im Laden kaufen würde. Wirklich bei einer Schlachtung dabei sein, würde eigentlich niemand. Die Vorstellung, dass ein Mensch über hundert Schweine halten würde, war für ihn unvorstellbar. Das wäre doch viel zu teuer und wo sollten die denn überhaupt untergebracht sein? Dass in meiner Nachbarschaft in Angeln mehrere 1000 Schweine gehalten werden, habe ich ihm lieber erst gar nicht versucht zu erzählen. Ich glaube er hätte mich für verrückt gehalten.
Nachdem das Fleisch von einem Lehrer, der früher als Veterinär gearbeitet hatte, untersucht wurde, die Leber und Nieren inspiziert waren und das Tier für gesund gehalten wurde, wurde es mit einer Machete in vier Teile zerlegt und gewogen. Dabei beschwerte sich der Lehrer, dass der Kopf doch recht großzügig abgeschnitten wurde und dabei viel Fett verloren gegangen sei. Der Kopf, sowie die Füße, Schwanz und Innereien bekamen die Schlächter als Lohn. Das nun verbliebene Schwein brachte immerhin noch stolz 140kg auf die Waage.
Während des ganzen Prozedere nahm einer der Schüler die Fleischbestellungen entgegen. Relativ spät entschieden wir uns schließlich doch etwas zu kaufen und ließen uns auf die Liste setzen. Als das der Lehrer mitbekam ließ er es sich nicht nehmen uns als aller erstes das noch warme Fleisch abzuwiegen. So bekamen wir noch vor dem Principal und den ganzen anderen Lehrern und Pastoren unser Fleisch abgewogen. Etwas unangenehm war mir das schon, aber so kamen wir in den Genuss eines Kilogramms reinsten Muskelfleisches mit nur ganz wenig Fett und keinen Knochensplittern zu bekommen.
Montag, 21. Juni 2010
Chorausflug nach Shokony (20.06.2010)
Seit heute bin ich stolzer Besitzer eines Huhnes! Aber der Reihe nach…
Heute gings mit dem Kwaya ya Theologia für zwei Gottesdienste in die Nachbargemeinde nach Shokony. Um 6.15h sollte es losgehen, da der erste Gottesdienst bereits um 7h (!) begann und man bestimmt ne halbe Stunde laufen würde.
Kurz gesagt, wir kamen um 6.30h los und waren um 7.30h dort. Auf dem Weg ging es quer durch die Bananen- und Kaffehaine, vorbei an Lehmhäusern, vor denen die Hühner pickten und vereinzelt schon ein paar Leute aktive waren. Auf dem Weg wurde uns berichtet, dass hier vor einigen Tagen Elefanten gesichtet wurden, die aus Kenia rüber gemacht hatten.
Etwas schmunzeln mußte ich schon, als ich bemerkte, wie die Schüler neben mir sich im Kichagga (der hiesigen Stammessprache) übten und versuchten die Vorbeikommenden zu grüßen. Insgesamt gibt es in Tanzania über 120 verschieden Stämme, von denen jeder seine eigene Sprache hat. Gerade die Chagga unterteilen sich selbst nochmal in drei eigene Tribes, die auch je eine eigene Sprache pflegen. Die Schüler der Bibelschule kommen aus allen Teilen Tanzanias und so sprechen sie alle auch ihre eigene Sprache – das Kiswahili ist erst seit J.Nyere zur Lingufranca geworden.
So waren denn auch die Liturgie und die Lieder des Gottesdienstes auf Kichagga, doch immerhin war die Predigt „allgemeinverständlich“ auf Kiswahili.
Vor der Predigt wurde der nun endlich anwesende Chor begrüßt und ich war wieder einmal überrascht, wie viel ich verstand. Letztlich sollte sich jeder kurz der Gemeinde vorstellen. Meine Schüler waren etwas besorgt, ob ich es wohl hinbekommen würde und boten mir eine Translation an. Umso mehr gratulierten sie mir im Nachhinein und freuten sich sichtlich mit mir – wofür braucht der Teacher denn noch’n Sprachkurs?
Zwischen den beiden Gottesdiensten gab es den obligatorischen, exorbitant süßen Chai mit Chappati und frittierten Bananen. Welch Genuss war es sich an der warmen Teetasse wenigstens die Hände wärmen zu können und dabei die fettigen, frisch frittierten Bananen zu essen. Zwischenzeitlich hatte es begonnen zu Regnen und wir rückten ein wenig von den offenen Fenstern ab. Waren aber froh, dass das Dach dicht war und wir nicht raus mußten. Jeder der rein kam stapfte ein-zwei Zentimeter größer auf seinen Schlammabsätzen erst mal zum Schuhabtreter.
Im zweiten Gottesdienst sang der einheimisch Chor unter der Leitung meines Musikkollegens mit unserem Chor im Wechsel und die Bibelschüler hatten ein Anspiel über die Konkurrenz von Witchman und Kirche vorbereitet. Während des Gottesdienstes wurden wir wieder vorgestellt. Diesmal wurde ich als Lehrer nach vorne gerufen und besonders begrüßt. Anscheinend hatte mein Kollege dem Pastor gesteckt, dass ich in Kiel in der Partnergemeinde von Shokony gelebt habe und so wurde mir direkt der Partnerschaftsbeauftragte vorgestellt. Auch die beiden Volontärinnen wurden extra begrüßt und hervorgehoben, dass durch die Bibelschüler ja ganz Tanzania vertreten sei. Gott ist ein Gott aller Völker und gemeinsam können wir ihm die Ehre geben und seinen Gottesdienst feiern. Wieder einmal merkte ich, welch hohen Stellenwert in Tanzania Gäste haben!
Bei der anschließenden Versteigerung der Naturalspenden wurde mir dann von den beiden Voluntärinnen ein Huhn ersteigert. Das arme Tier war den ganzen Gottesdienst über mit gebundenen Beinen in einer Plastiktüte verstaut gewesen. Der Kopf schaute natürlich heraus, und durch die Tüte hielt es auch wunderbar still. Das änderte sich dann, als es nach der Auktion (für 4.000,- TSh ~2,50€) mir überreicht wurde. Etwas hilflos stand ich nun mit dem flatternden Federvieh dar, und war recht dankbar, dass es mir von einem meiner Schüler fachmännisch abgenommen und wieder in der Tüte verstaut wurde. Sicherlich war es eines meiner Vorhaben in Tanzania eine Ziege und Hühner zu halten, aber dass sich das nun so plötzlich realisierte überraschte mich dann doch ein wenig.
Mein Schüler versprach es erst mal sicher zu verwahren und so ging ich relativ beruhigt zum Essen und zum Chorbeisammensein. Als wir uns am späten Nachmittag auf den Heimweg machen wollten griff er neben seine Bank, holte die Tüte mit dem verstauten Tier hervor und gab sie einer anderen Schülerin, die es in ihre Tasche steckte. Ein wenig gackerte das Huhn dabei, beruhigte sich aber recht bald und schaute etwas bedröppelt aus der H&M-Tüte. Ja, ganz sicherlich geht man hier mit Tieren anders um und vieles erscheint einem sehr fremd. Gerade nach deutschen Maßstäben kann man in vielen Dingen nicht gehen. Bei dem Huhn wäre sicherlich bald zu Recht der Tierschutzbund auf den Plan getreten. Und auch unsere heutige Heimfahrt über die ungeteerte Buckelpiste bergauf, auf der Ladefläche eines Bananenlasters wäre in Deutschland undenkbar. Unsere Bibelschüler ließen sich den Spaß auch nicht durch die kurzfristige Reparatur eines nicht ganz festen Hinterrades verderben auf das uns ein anderer überholender Laster aufmerksam gemacht hatte. Immerhin wurde ja vor und nach Safari gebetet!
In Mwika angekommen wurde das ersteigerte Zuckerrohr verteilt und zur Zahnpflege direkt verwendet. Ich machte mich mit meinem Huhn unterm Arm auf den Weg zu meinem Zimmer. Auf der Fahrt hatte die Henne den Namen Shoko bekommen, weil es ja aus Shokony stammt und zudem noch braun ist. Welche Eier es legen wird bleibt abzuwarten. Um es nicht in meinem frisch errichteten Bad unterzubringen, bin ich direkt weiter zu meinen Nachbarn gegangen. Die beiden Jungs staunten nicht schlecht, als ich mit der kleinen Henne ankam. Da man nie so recht weiß welche Krankheiten so ein Tier mitbringt ist es dort erst einmal in Quarantäne gekommen. Wenn ich es „bräuchte“ könne ich mich jeder Zeit melden.
Mit Blick auf den gutgefüllten Hühnerstall wurde direkt hinterher geschoben, dass mir Mama Moshi sicherlich gern beim Schlachten behilflich sein würde, die mache das häufiger ;-)
Heute gings mit dem Kwaya ya Theologia für zwei Gottesdienste in die Nachbargemeinde nach Shokony. Um 6.15h sollte es losgehen, da der erste Gottesdienst bereits um 7h (!) begann und man bestimmt ne halbe Stunde laufen würde.
Kurz gesagt, wir kamen um 6.30h los und waren um 7.30h dort. Auf dem Weg ging es quer durch die Bananen- und Kaffehaine, vorbei an Lehmhäusern, vor denen die Hühner pickten und vereinzelt schon ein paar Leute aktive waren. Auf dem Weg wurde uns berichtet, dass hier vor einigen Tagen Elefanten gesichtet wurden, die aus Kenia rüber gemacht hatten.
Etwas schmunzeln mußte ich schon, als ich bemerkte, wie die Schüler neben mir sich im Kichagga (der hiesigen Stammessprache) übten und versuchten die Vorbeikommenden zu grüßen. Insgesamt gibt es in Tanzania über 120 verschieden Stämme, von denen jeder seine eigene Sprache hat. Gerade die Chagga unterteilen sich selbst nochmal in drei eigene Tribes, die auch je eine eigene Sprache pflegen. Die Schüler der Bibelschule kommen aus allen Teilen Tanzanias und so sprechen sie alle auch ihre eigene Sprache – das Kiswahili ist erst seit J.Nyere zur Lingufranca geworden.
So waren denn auch die Liturgie und die Lieder des Gottesdienstes auf Kichagga, doch immerhin war die Predigt „allgemeinverständlich“ auf Kiswahili.
Vor der Predigt wurde der nun endlich anwesende Chor begrüßt und ich war wieder einmal überrascht, wie viel ich verstand. Letztlich sollte sich jeder kurz der Gemeinde vorstellen. Meine Schüler waren etwas besorgt, ob ich es wohl hinbekommen würde und boten mir eine Translation an. Umso mehr gratulierten sie mir im Nachhinein und freuten sich sichtlich mit mir – wofür braucht der Teacher denn noch’n Sprachkurs?
Zwischen den beiden Gottesdiensten gab es den obligatorischen, exorbitant süßen Chai mit Chappati und frittierten Bananen. Welch Genuss war es sich an der warmen Teetasse wenigstens die Hände wärmen zu können und dabei die fettigen, frisch frittierten Bananen zu essen. Zwischenzeitlich hatte es begonnen zu Regnen und wir rückten ein wenig von den offenen Fenstern ab. Waren aber froh, dass das Dach dicht war und wir nicht raus mußten. Jeder der rein kam stapfte ein-zwei Zentimeter größer auf seinen Schlammabsätzen erst mal zum Schuhabtreter.
Im zweiten Gottesdienst sang der einheimisch Chor unter der Leitung meines Musikkollegens mit unserem Chor im Wechsel und die Bibelschüler hatten ein Anspiel über die Konkurrenz von Witchman und Kirche vorbereitet. Während des Gottesdienstes wurden wir wieder vorgestellt. Diesmal wurde ich als Lehrer nach vorne gerufen und besonders begrüßt. Anscheinend hatte mein Kollege dem Pastor gesteckt, dass ich in Kiel in der Partnergemeinde von Shokony gelebt habe und so wurde mir direkt der Partnerschaftsbeauftragte vorgestellt. Auch die beiden Volontärinnen wurden extra begrüßt und hervorgehoben, dass durch die Bibelschüler ja ganz Tanzania vertreten sei. Gott ist ein Gott aller Völker und gemeinsam können wir ihm die Ehre geben und seinen Gottesdienst feiern. Wieder einmal merkte ich, welch hohen Stellenwert in Tanzania Gäste haben!
Bei der anschließenden Versteigerung der Naturalspenden wurde mir dann von den beiden Voluntärinnen ein Huhn ersteigert. Das arme Tier war den ganzen Gottesdienst über mit gebundenen Beinen in einer Plastiktüte verstaut gewesen. Der Kopf schaute natürlich heraus, und durch die Tüte hielt es auch wunderbar still. Das änderte sich dann, als es nach der Auktion (für 4.000,- TSh ~2,50€) mir überreicht wurde. Etwas hilflos stand ich nun mit dem flatternden Federvieh dar, und war recht dankbar, dass es mir von einem meiner Schüler fachmännisch abgenommen und wieder in der Tüte verstaut wurde. Sicherlich war es eines meiner Vorhaben in Tanzania eine Ziege und Hühner zu halten, aber dass sich das nun so plötzlich realisierte überraschte mich dann doch ein wenig.
Mein Schüler versprach es erst mal sicher zu verwahren und so ging ich relativ beruhigt zum Essen und zum Chorbeisammensein. Als wir uns am späten Nachmittag auf den Heimweg machen wollten griff er neben seine Bank, holte die Tüte mit dem verstauten Tier hervor und gab sie einer anderen Schülerin, die es in ihre Tasche steckte. Ein wenig gackerte das Huhn dabei, beruhigte sich aber recht bald und schaute etwas bedröppelt aus der H&M-Tüte. Ja, ganz sicherlich geht man hier mit Tieren anders um und vieles erscheint einem sehr fremd. Gerade nach deutschen Maßstäben kann man in vielen Dingen nicht gehen. Bei dem Huhn wäre sicherlich bald zu Recht der Tierschutzbund auf den Plan getreten. Und auch unsere heutige Heimfahrt über die ungeteerte Buckelpiste bergauf, auf der Ladefläche eines Bananenlasters wäre in Deutschland undenkbar. Unsere Bibelschüler ließen sich den Spaß auch nicht durch die kurzfristige Reparatur eines nicht ganz festen Hinterrades verderben auf das uns ein anderer überholender Laster aufmerksam gemacht hatte. Immerhin wurde ja vor und nach Safari gebetet!
In Mwika angekommen wurde das ersteigerte Zuckerrohr verteilt und zur Zahnpflege direkt verwendet. Ich machte mich mit meinem Huhn unterm Arm auf den Weg zu meinem Zimmer. Auf der Fahrt hatte die Henne den Namen Shoko bekommen, weil es ja aus Shokony stammt und zudem noch braun ist. Welche Eier es legen wird bleibt abzuwarten. Um es nicht in meinem frisch errichteten Bad unterzubringen, bin ich direkt weiter zu meinen Nachbarn gegangen. Die beiden Jungs staunten nicht schlecht, als ich mit der kleinen Henne ankam. Da man nie so recht weiß welche Krankheiten so ein Tier mitbringt ist es dort erst einmal in Quarantäne gekommen. Wenn ich es „bräuchte“ könne ich mich jeder Zeit melden.
Mit Blick auf den gutgefüllten Hühnerstall wurde direkt hinterher geschoben, dass mir Mama Moshi sicherlich gern beim Schlachten behilflich sein würde, die mache das häufiger ;-)
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